Du hast eine fundierte Ausbildung und bist dir auch über deine unternehmerischen Pflichten als Selbstständige im Klaren. Jetzt möchtest Du endlich das eigene Studio eröffnen. Aber wo, wie, wann?
Grundlegend ist es ein Konzept zu haben. Nagelstudios gibt es Tausende, aber Du musst wissen was Du willst.
Das geht schon bei der Wahl der Studio-Art los. Laden-Geschäft, mobiles Nagelstudio oder Homestudio?
Alles hat seine Vor- und Nachteile und hängt von Deinen Voraussetzungen und Zielen ab.
Die mobilen Studios werden immer beliebter – auch bei den Kunden. Zwar ist ein (gesundes) Misstrauen zum Teil immernoch vorhanden wenn es darum geht eine fremde Person zum ersten Mal zum Service zu sich nach Hause zu bitten, aber da inzwischen alle möglichen Dienstleistungen in den 4 Wänden des Kunden angeboten werden, gewöhnen sich die Kunden daran und genießen die Zeitersparnis.
Ich persönlich empfinde ein mobiles Nagelstudio für die Designerin als eine gute Alternative zu einem Homestudio. Denn für Homestudios gelten in Deutschland neben den Standard-Vorschriften wie Hygieneverordnung, Kosmetikverordnung etc. noch eine Menge Vorschriften, die auf Länderebene bzw. kommunal geregelt sind und bei denen kaum jemand durchblickt.
Nichtsdestotrotz gelten auch für mobile Nagelstudios in Sachen Hygiene, Materialien, Buchhaltung etc. die gleichen Bedingungen wie für stationäre Studios.
Übrigens für ein mobiles Nagelstudio musst Du KEIN Reisegewerbe anmelden. Das ist etwas Anderes und in diesem Zusammenhang nicht interessant.
Mobile Nagelstudios bieten sich an, wenn in einem ländlichen Gebiet wohnt und es in den umliegenden Dörfern wenig Konkurrenz gibt. Aber auch in großen Städten, wo die berufstätigen Mütter kaum Zeit haben ins Studio zu fahren oder wegen kleiner Kinder nicht in ein Studio in der Stadt gehen können.
Zwar entfällt bei einem mobilen Nagelstudio die Ladenmiete, man muss aber Spritkosten und Instandhaltung des Autos kalkulieren. Darüberhinaus verliert man durch den Weg zum Kunden immer Zeit, die man in einem stationären Studio besser nutzen könnte. Dazu kommt die Parktplatzsuche, die in der Stadt sehr anstrengend sein kann und nicht selten muss man zusätzlich mit Parkgebühren rechnen.
Man ist auch etwas unflexibler mit spontanen Terminen und muss seine Termine stets sehr gut koordinieren. Außerdem bekommt man keine Laufkundschaft und braucht ein umso besseres Marketing und eine erstklassige Webseite.
Das angenehme an einem mobilen Studio ist, dass man persönlich viel freier in der Zeiteinteilung ist. Man muss nicht von 10 – 20 Uhr im Studio sitzen und auf eventuelle Laufkundschaft warten, obwohl man keine Termine hat. Niemand merkt es, wenn man sich zwischendurch einen Tag freinimmt, denn man kann sich gewünschte Zeiträume einfach freihalten, indem man da keine Termine vergibt.
Ein weiterer Vorteil sind geringere Investitionskosten bzw. Verluste, wenn es aus irgendeinem Grund nicht gut läuft oder man aus persönlichen Gründen wieder aufhören möchte. dann meldet man einfach das Gewerbe ab und braucht sich nicht um ein teuer eingerichtetes Studio mit langem Mietvertrag kümmern.
Trotzdem sollte man auch als mobile Nagelfee absolut professionell auftreten. Das heißt: Dein Auto ist immer gewaschen, Du selbst erscheinst immer pünktlich, tadellos gepflegt und gut gekleidet. Deine Arbeitsmaterialien sind gut sortiert und sauber verstaut. Du schützt den Tisch der Kundin mit einer entsprechenden Unterlage vor umkippenden Flüssigkeiten. Und wenn du gehst muss alles (außer den Nägeln der Kundin) so aussehen, als seist Du nie da gewesen.
Außerdem sollten weitere Dinge bedacht werden, die etwas anders sind als im “normalen” Studioalltag.
Zeit:
- unbedingt Zeitpuffer zwischen den Terminen einbauen. Es kann bei vorherigen Terminen Verzögerungen geben, Zeit kann durch Stau oder Parkplatzsuche verlorengehen. Das Letzte was passieren sollte ist eine Nageldesignerin, die abgehetzt und zu spät bei der Kundin ankommt. Das wirkt sich in der Regel negativ auf die Arbeit aus und die Verspätung zieht sich dann schnell durch gesamten Tag.
Sollte man wirklich mal absehen, dass man den Folgetermin nicht pünktlich schafft: So früh wie möglich die betreffende Kundin anrufen und fragen, ob Sie die Verzögerung in Kauf nehmen kann/ will bzw. einen neuen Termin vereinbaren.
Ausstattung:
- Navi und Stadtplan sollten dabei sein, denn man kennt vermutlich nicht jede Adresse und wenn man am Ende lange suchen muss bringt das den ganzen Zeitplan durcheinander. Der (aktuelle!) Stadtplan ist nicht zu unterschätzen, denn nicht immer findet das Navi alle Adressen. Ggf. zu Hause schonmal in den Routenplaner schauen, um sich ein Bild von der Zieladresse zu machen oder die Kundin bereits am Telefon um eine kurze Wegbeschreibung bitten. Wenn möglich auch vorab nach Parkmöglichkeiten erkundigen – die Anwohner können oft wertvolle Tipss geben.
- Um den Tisch der Kundin vor zuviel Staub und Schaden zu bewahren für jeden Termin ein frisches Handtuch dabeihaben. Darunter eine wasserundurchlässige Unterlage legen, falls mal was umkippt.
- Zur Reinigung des Tisches nach dem Termin am Besten feuchte Desinfektions-Tücher (z.B. Mikrozid aus der Apotheke) dabeihaben. Aber die Kundin das Reinigen erst anbieten – vielleicht zieht sie es vor dies selbst zu tun.
- Wer mit einer UV-Lampe arbeitet sollte eine Verlängerungsschnur parat haben, denn oft ist keine Steckdose in der Nähe vom Tisch.
- Optimalerweise hat man sogar eine kleine Arbeitsplatzleuchte dabei, denn gerade wenn es im Winter draußen schon dunkel ist, findet man beim Kunden keine ausreichende Beleuchtung.
- Alle Arbeitsmaterialien sollten in einen Koffer passen. Das der dann einiges auf die Waage bringt ist ein Trolley zum ziehen sehr empfehlenswert.
Sonstiges:
- Liegt die Terminvereinbarung schon eine Weile zurück, kann man bei Neukunden kurz vor dem Termin auch mal telefonisch nachfragen, ob alles dabei geblieben ist. Es kommt vor das Kunden den Termin vergessen und man dann vor der Tür steht.
- Das Auto ist dem man unterwegs ist sollte immer sauber und gepflegt aussehen – ist klar.
- Immer eine Parkscheibe im Auto liegen haben, die braucht man oft.
Wer bereits Erfahrungen mit einem mobilen Studio gesammelt hat und diese Liste ergänzen kann: gerne als Kommentar!
Zum Weiterlesen empfehle ich: “Homestudio: Vor- und Nachteile und was zu beachten ist”
Liebe Grüße, Anne